Warum ausgerechnet Holztiere? – Gründerstory Teil 3
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„Manchmal beginnt eine Idee nicht mit einem Plan, sondern mit einem Moment, der einen nicht mehr loslässt.“
Eigentlich fing alles mit einem Schatten an. Damals lebte ich noch in meiner alten Heimat Weingarten bei Ravensburg. Eines nachts fiel mir im Garten eine Bewegung auf, die ich mir nicht erklären konnte. Meine Neugier war geweckt und kurzerhand installierte ich eine Wildkamera. Was sie in den folgenden Wochen und Monaten aufzeichnete, faszinierte mich mehr, als ich jemals erwartet hätte. Kaum war die Sonne untergegangen, wurde der Garten zum Treffpunkt der heimischen Tierwelt. Der Schatten war nicht nur ein Fuchs, denn zum wilden Treiben gesellten sich auch noch Dachse, Rehe, Feldhasen, Eichhörnchen, Steinmarder und Rotmilane dazu.
Mit der Zeit entstanden Aufnahmen, die ich bis heute kaum glauben kann. Ein Rehkitz spielt Fangen mit jungen Füchsen, ein Dachs zeigt frechen Jungfüchsen ihre Grenzen und manchmal lief einfach stundenlang gar nichts, bis plötzlich doch wieder ein Tier vor der Kamera auftauchte. Genau diese Unvorhersehbarkeit macht den Reiz aus. Natürlich durfte die Wildkamera mit, als ich ins Allgäu gezogen bin. Viele der schönsten Szenen habe ich später unter @wildlife_allgaeu veröffentlicht. Leider fehlt mir heute oft die Zeit, die vielen Stunden Videomaterial auszuwerten. Vielleicht wartet dort draußen schon längst die nächste besondere Geschichte.
Die Faszination begann tausende Kilometer entfernt
So sehr mich die Wildkamera bis heute begeistert, die eigentliche Faszination für Wildtiere begann viele tausend Kilometer entfernt. Auf einer Reise durch Südafrika, Simbabwe und Botswana durfte ich mehrere Safaris erleben. Botswana hat mich mit seiner unglaublichen Tierwelt besonders beeindruckt. Elefanten, Giraffen, Löwen, Leoparden oder Wildhunde gehören dort zum Alltag – und selbst an einem einzigen Wasserloch spielt sich oft mehr Leben ab als anderswo an einem ganzen Tag.

Auch die Vogelwelt ist faszinierend, mit Adlern, Geiern und den einzigartigen Chobe Chicken. Wer Wildtiere nur aus TV-Dokumentationen oder Zoos kennt, erlebt sie dort völlig anders. In Botswana ist die Jagd streng reglementiert, so dass ein dichterer Tierbestand vorhanden ist und die Tiere weniger scheu sind. Man fühlt sich wie ein stiller Beobachter in ihrer Welt.
Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie wir minutenlang schweigend zuschauten und den Moment einfach nur genossen. Vielleicht begann genau dort unbewusst meine Begeisterung für die Tiere, die später einmal aus Holz entstehen sollten.
„Je länger man Wildtiere beobachtet, desto deutlicher wird, dass sie keine Darsteller und wir lediglich stille Zeugen ihres natürlichen Verhaltens sind.“
Die Idee kam überraschend in Wien
Dass daraus einmal Allgäuer Holztiere entstehen würden, ahnte ich damals allerdings noch nicht. Die eigentliche Idee kam erst ein Jahr später auf einer Reise nach Wien. Auf einem kleinen Quartiersmarkt wurden handgefertigte Holztiere angeboten. Eigentlich war es nur ein kurzer Moment. Ich blieb stehen, betrachtete die Figuren und musste sofort an meine eigenen, heute schon erwachsenen Kinder denken. Daran, wie glücklich sie mit ihren Holztieren spielten und wie oft daraus kleine Geschichten und große Abenteuer entstanden sind.
Und weil das Marketinghirn niemals schläft, bestand die Heimreise im Zug aus einer umfassenden Recherche mit Marktanalyse. Ich verglich Anbieter, Preise und Vertriebswege und machte mir erste Notizen zu einer eigenen Holztiermarke. Zu Hause angekommen holte ich die Kiste mit den Holztieren meiner Kinder hervor. Ehrlich gesagt war ich ziemlich überrascht. Darin lagen Holzfiguren verschiedener Hersteller mit einem Gesamtwert von deutlich über 700 Euro. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie wichtig hochwertiges Holzspielzeug für viele Familien ist.
Rückblickend fühlt sich diese Zeit an, als hätten sich plötzlich viele einzelne Puzzleteile zu einem Bild zusammengefügt. Ich hatte in den Jahren zuvor immer mehr mit Holz gearbeitet und dabei festgestellt, wie sehr mich das handwerkliche Arbeiten mit Naturmaterial erfüllt. Gleichzeitig beschäftigte mich ein Gedanke: Warum gehen manche Menschen gestärkt aus schwierigen Situationen hervor, während andere daran verzweifeln? Und was müssen wir tun, um Kindern kreatives Denken, Konzentration und innere Stabilität zu vermitteln? Diese Suche nach Antworten führte mich zunächst zur Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung und schließlich zum japanischen Lebenskonzept Ikigai.
Frei übersetzt beschreibt Ikigai den persönlichen Grund, morgens gerne aufzustehen. Es geht darum, etwas zu finden, das man liebt, das den eigenen Fähigkeiten entspricht, anderen einen Mehrwert bietet und gleichzeitig den eigenen Lebensunterhalt sichert. Ob das Leben tatsächlich so einfach funktioniert, weiß ich nicht. Aber in diesem Moment hatte ich das Gefühl, genau an diesem Punkt angekommen zu sein. Die Begeisterung für Tiere, die Freude am Werkstoff Holz, der Wunsch, Kindern eine positive Entwicklung zu ermöglichen, und meine Erfahrung im Marketing – plötzlich ergab alles Sinn.
„Der richtige Weg wartet nicht darauf, gefunden zu werden. Er entsteht, wenn Erfahrungen plötzlich zusammenpassen.“
Aus einem Schopf entsteht eine Werkstatt
Und wie heißt es so schön: „Mit einem Bahnhof fängt alles an.“ Letztendlich führte der Weg von Wien aus in den Schopf vor unserem Haus im Allgäu. Damals war dieser Raum noch keine fertige Werkstatt, sondern ein Rohbau mit Dach, Steinboden und Mauern aus Hohlbetonsteinen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich eher Möglichkeiten sehe als Probleme. Aus dem einfachen Schopf entstand Schritt für Schritt eine voll ausgestattete Werkstatt: Mit Strom, Absaugung, Maschinen und allem was nötig ist, damit aus einer Idee irgendwann echte Holztiere werden.
Die erste Kuh war alles andere als schön
Das erste Holztier war eine Kuh. Dafür gab es gleich zwei gute Gründe: Zum einen ist das Braunvieh eng mit dem Allgäu verbunden. Zum anderen stehen die besten Anschauungsmodelle direkt neben meiner Werkstatt auf der Weide.
Da mir damals das passende Holz fehlte, fertigte ich die erste Kuh aus einfachem Kiefernholz. Das Ergebnis war, um es milde auszudrücken, verbesserungswürdig (darum gibt es hier auch kein Bild davon). Da ich jedoch Herausforderungen liebe, wurden die Formen mit jedem weiteren Versuch besser. Ich erkannte, dass der erste Versuch nicht perfekt sein muss – entscheidend ist der Mut dranzubleiben, bis es perfekt ist. Der eigentliche Wendepunkt kam schließlich mit dem Ahornholz und den passenden Sägeblättern. Plötzlich fühlte sich alles stimmig an. Bis heute arbeite ich im Wesentlichen noch mit genau diesem Setup.
Warum der Fuchs bis heute geblieben ist
Nach der Kuh folgte schon bald der Fuchs. Vermutlich lag das nahe, denn ich hatte ihn über Jahre hinweg durch meine Wildkamera beobachten können. Ich kannte seine Bewegungen, seine Körperhaltung und viele kleine Details, die einem sonst vielleicht gar nicht auffallen.
Vierzehn der ersten Holzfüchse verschenkte ich an Freunde und Bekannte. Ehrlich gesagt war ich ziemlich gespannt auf die Reaktionen. Das Feedback fiel ausnahmslos positiv aus. Kinder nahmen den Fuchs sofort in die Hand und begannen zu spielen. Erwachsene strichen immer wieder über das Holz und betonten, wie angenehm die Haptik ist. In diesem Moment war mir klar, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Auch wenn das Design der Allgäuer Holztiere im Laufe der Zeit runder und harmonischer geworden ist, hat sich der Ur-Fuchs bis heute kaum verändert.
Eine Marke mit nur einem Mitarbeiter?
Von der ersten Idee bis zur Marktreife vergingen rund fünfzehn Monate. Anschließend folgten weitere Monate mit Gewerbeanmeldung, Spielzeugverordnung, CE-Konformität, Produktfotos, Verpackung, Webshop, Marketing und Vertrieb. Bis das erste Holztier verkauft werden konnte, steckte bereits eine Menge Arbeit in dem Projekt, die so von außen erst einmal nicht zu sehen ist. Obwohl es viele Fragen und Herausforderungen gab, war es mir stets wichtig, jeden Schritt selbst sorgfältig durchzuführen und bei Design, Qualität und Sicherheit keine Abstriche zu machen.
Deshalb werde ich bis heute oft gefragt, ob ich die Allgäuer Holztiere wirklich alleine herstelle oder ob es im Hintergrund ein Team gibt? Die Antwort ist überraschend einfach: Hinter den Allgäuer Holztieren stehe tatsächlich nur ich. Natürlich bietet mir meine Familie immer wieder ihre Unterstützung an. Bisher schaffe ich noch alles selbst. Zu wissen, dass ich mich jederzeit auf sie verlassen kann, ist vermutlich wertvoller als jede zusätzliche Arbeitskraft.
Warum also ausgerechnet Holztiere?
Weil sie vieles miteinander verbinden, was mich seit Jahren begleitet: die Begeisterung für die Natur, die Liebe zu heimischem Holz, die Freude am Gestalten und den Wunsch, etwas zu schaffen, das Kinder viele Jahre begleitet.
Kinder sehen in einem Fuchs keinen Fuchs. Sie sehen einen klugen Entdecker. Aus einer Kuh wird die beste Freundin auf dem Bauernhof und aus einem Reh die Hauptfigur eines neuen Abenteuers. Genau das liebe ich an diesem Holzspielzeug. Es gibt keine blinkenden Lichter, keine Geräusche und keine Bedienungsanleitung. Den Rest übernimmt die Fantasie.
Und vielleicht ist genau das der schönste Gedanke an meiner Arbeit: Ich fertige keine Spielzeuge. Ich gebe Geschichten eine Form. Die eigentlichen Abenteuer beginnen erst dort, wo meine Arbeit endet – bei euch zu Hause.
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