Viel Wald, eine Idee und ein bisschen Naivität – Gründerstory Teil 1
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Wie viele Gründungen begann auch meine mit viel Idealismus und einer guten Portion Naivität. Von Anfang an trieb mich der Wunsch an, Kinder für die Natur zu begeistern, damit aus ihnen Menschen werden, die ihre Umgebung lieben und schützen.
Das Allgäu ist schließlich reich an Wald. Man wandert durch Täler und erklimmt Berge, sieht die hohen Baumkronen, die hellen Lichtflecken auf dem Waldboden und atmet diese typische Mischung aus Wald und frischer Bergluft. Inmitten dieser Eindrücke entstand der Gedanke: heimischen Ahorn zu verwenden, um hochwertiges Holzspielzeug zu schaffen. Holztiere, die die Kraft der Natur in sich tragen und sie spielerisch vermittelt.
Doch auf dem Weg vom Wald zur Werkstatt gab es einiges zu lernen. Bergahorn wächst im Allgäu durchaus, vor allem in Mischwäldern und Berglagen. Allerdings wurde Laubholz im Alpenraum lange weniger genutzt, weshalb es in den Sägewerken meist nicht im Sortiment ist. Eine spannende Erkenntnis und der Beginn eines Abenteuers, das schließlich zu meiner eigenen Linie von Holzfiguren aus regionalem Holz führte.
Geduld und der Wille zur Regionalität
Nach mehr als vierzig Absagen regionaler Sägewerke wurde mir klar: Geduld würde mein Begleiter sein. Die Vielfalt an Nadelholz wie Fichte und Tanne in unserer Region ist beeindruckend, doch der Bergahorn verlangt offenbar besondere Aufmerksamkeit. Habe ich ans Aufgeben gedacht? Kurz. Doch ganz nach dem Motto „Geht nicht – gibt’s nicht“ steckte ich erst recht mehr Energie in mein Vorhaben.
Mit dem Fokus auf Regionalität, klarer Herkunft und einem wertschätzenden, nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt vertiefte ich meine Recherche. Und weil ich lokale Forstbetriebe sowie eine verantwortungsvolle Waldwirtschaft unterstützen möchte, kommt Ahorn aus Osteuropa für mich nicht infrage.
Fühlt sich ein Kompromiss gut an, war er keiner.
Allgäuer Holztiere sollen nicht nur im Namen regional sein, sondern auch im Ursprung. Schließlich fand ich im Raum Starnberger See einen Anbieter, der bayerischen Ahorn führt. Partnerschaftlich, bodenständig und zuverlässig. Der Ahorn war sorgfältig getrocknet, gut gelagert und bereit für die Weiterverarbeitung. Genau in dieser Qualität, die ich mir für meine Holztiere erhofft hatte. Fühlt sich ein Kompromiss gut an, war er keiner. Und wie sich später zeigen sollte, würde sich diese Erkenntnis bei der weiteren Materialbeschaffung noch mehrfach bestätigen. Doch dazu ein anderes Mal mehr.
Ein anspruchsvolles Holz und seine besondere Schönheit
Als das Holz dann in meiner Werkstatt lag, sammelte ich meine ersten Erfahrungen mit seinen Besonderheiten. Bergahorn ist ein schönes, aber auch anspruchsvolles Holz. Er zeigt sehr deutlich, wie er behandelt wurde, und reagiert sensibel auf seine Umgebung. Genau das macht ihn so wertvoll: Gibt man ihm Zeit, Aufmerksamkeit und die passende Vorbereitung, entfaltet er eine warme, glatte, helle Qualität, die sofort begeistert. Jede Fläche wirkt freundlich, jeder Schliff bringt seinen Charakter hervor, und jedes Stück liegt angenehm in der Hand.
Regionalität als Haltung
Während ich die ersten Prototypen fertigte – erst eine Kuh, dann ein Fuchs, später ein Dachs – wurde mir klar, dass hier mehr entsteht als Spielzeug aus Holz. Jedes Stück Ahorn erzählt seine eigene Geschichte: wie und wo es gewachsen ist, wie es gelagert und getrocknet wurde, wie es in meiner Werkstatt seine Form bekommt. Und dann beginnt Zuhause seine neue Geschichte – bereit für Abenteuer in den Händen eines Kindes, auf dem Boden eines Kinderzimmers, vielleicht Jahre später gut behütet in einer Erinnerungskiste. Dass dieses Holz nun aus heimischem Anbau stammt, macht diese Verbindung noch stärker.
Regionalität ist für mich ein Grundprinzip. Ich möchte, dass der Wald von morgen genauso vielfältig bleibt wie der Wald von heute. Deshalb setze ich auf kurze Wege, klare Herkunft, sorgfältige Auswahl und einen nachhaltigen Umgang mit unserem wertvollen Rohstoff Holz. Manchmal braucht es Geduld, manchmal etwas mehr Hingabe. Doch genau diese Aufmerksamkeit macht jedes Stück besonders.
Es geht darum, etwas zurückzugeben – an die Region, die unser Holz schenkt, und an die Natur, die uns so viel ermöglicht.
Mit jedem Ahornbrett, das in meiner Werkstatt liegt, schließt sich ein Kreis. Ein Baum aus unserer Landschaft wird zu einer Figur, die Kinder wieder mit dieser Natur verbindet. Und weil mir diese Verbindung so wichtig ist, unterstütze ich über die Förderprojekte Initiativen, die unsere Natur, unsere Kulturlandschaft und die Menschen im Allgäu stärken. Es geht darum, etwas zurückzugeben – an die Region, die unser Holz schenkt, und an die Natur, die uns so viel ermöglicht.
Allgäuer Holztiere sind mehr als ein Produkt. Sie sind eine Haltung. Eine kleine, handfeste Erinnerung daran, dass Regionalität Freude macht, Natur kostbar ist und Holz – ob als Kuh, Fuchs, Dachs oder jedes andere Holztier – eine Geschichte erzählen und Zukunft gestalten kann. Vom Baum zum Holztier und vom Holztier zurück zur Natur, aus der es stammt.