Holzspielzeug ist nicht automatisch sicher

Holzspielzeug ist nicht automatisch sicher

Holzspielzeug wirkt auf den ersten Blick unkompliziert. Ein Stück Holz, glatt geschliffen, warm in der Hand, natürlich schön. Viele Menschen gehen deshalb davon aus, dass Holz allein schon für Sicherheit sorgt. Wenn du jedoch selbst Spielzeug für Kinder herstellst oder dich bewusst mit dem Thema beschäftigst, wird schnell klar: Genau hier liegt der Denkfehler. Spielzeug ist kein Dekorationsobjekt, sondern ein Gebrauchsgegenstand, der intensiv bespielt wird, im Mund landet, angelutscht, geworfen und über Jahre hinweg genutzt wird. Verantwortung endet also nicht beim schönen Material, sie beginnt dort erst.

Normen verstehen und anwenden

Im Produktdesign und bei der Entwicklung beschäftige ich mich täglich mit Fragen, mit denen du dich als Elternteil zum Glück nicht selbst auseinandersetzen musst. Welche Materialien sind wirklich geeignet? Welche Oberflächen halten dauerhaft dem Kontakt mit Speichel und Schweiß stand? Welche Normen greifen bei welchem Produkt? Und wie lässt sich all das so dokumentieren, dass es nicht nur gut gemeint, sondern auch rechtlich belastbar ist? Denn: Die Verantwortung liegt immer beim Hersteller.

Vertrauen braucht Nachweise

Ein zentraler Teil dieser Verantwortung ist die sorgfältige Auswahl von Materialien und Lieferanten. Holz ist nicht gleich Holz, und auch bei Farben, Lasuren, Schnüren und Leim entscheidet nicht das Etikett, sondern die nachweisbare Eignung für den Einsatz im Spielzeugbereich. Lieferanten müssen verlässlich sein, gleichbleibende Qualität liefern und bereit sein, Prüfberichte, Sicherheitsdatenblätter und Konformitätserklärungen zur Verfügung zu stellen. Doch selbst wenn ein Material es in die engere Auswahl geschafft hat, heißt das noch lange nicht, dass diese Unterlagen vollständig oder überhaupt vorhanden sind. In vielen Fällen müssen Nachweise aktiv eingefordert, sorgfältig geprüft und kritisch hinterfragt werden, weil erst eine belastbare Dokumentation die Grundlage für echte Produktsicherheit bildet. Aussagen wie „das ist ein Naturprodukt“ oder „es ist für Kinder geeignet“ helfen rechtlich nicht weiter und ersetzen keine Prüfung.

Sicherheit besteht aus Details

Die eigentliche Komplexität zeigt sich besonders deutlich bei den Normen der DIN EN 71, die das Fundament der europäischen Spielzeugsicherheit bilden. Die DIN EN 71-1 regelt die mechanischen und physikalischen Eigenschaften von Spielzeug und entscheidet darüber, ob ein Produkt stabil genug ist, ob sich Teile lösen können, ob Kanten zu scharf sind oder ob Konstruktionen im Spielbetrieb ein Risiko darstellen.

Die DIN EN 71-2 befasst sich mit der Entflammbarkeit von Spielzeug. Auch wenn Holzspielzeug selten als kritisch wahrgenommen wird, spielen hier Oberflächenbehandlungen, Textilanteile oder Materialkombinationen eine Rolle. Schon kleine Designentscheidungen können darüber entscheiden, ob ein Produkt normkonform ist oder nicht.

Besonders anspruchsvoll ist die DIN EN 71-3, die die Migration bestimmter Elemente regelt, also die Frage, ob und in welchem Umfang Stoffe aus dem Spielzeug herausgelöst werden können. Sie betrifft Farben, Lasuren, Öle, Leim und teilweise sogar das Holz selbst. Die Grenzwerte sind streng, Prüfungen aufwändig und kostenintensiv, und die Verantwortung liegt eindeutig beim Hersteller.

Sicherheit beginnt beim Design

All diese Anforderungen fließen bereits sehr früh in die Produktentwicklung ein. Neue Spielzeuge entstehen bei Allgäuer Holztiere nicht spontan, sondern durchlaufen eine intensive Planungs-, Test- und Prüfungsphase. Schon beim Design ist spezielles Know-how gefragt, denn Formen, Kanten, Materialstärken und sogar die Ausrichtung der Holzfasern beeinflussen unmittelbar die Sicherheit eines Produkts. Ein zu kleiner Radius, ein ungünstiger Faserverlauf oder eine zu geringe Wandstärke können später zu Brüchen oder scharfen Kanten führen. Sicherheitsüberlegungen begleiten deshalb den gesamten Entwicklungsprozess von der ersten Skizze bis zum fertigen Produkt.

Parallel dazu entsteht eine umfangreiche technische Dokumentation. Sie hält fest, welche Materialien verwendet, welche Normen angewendet, wie Risiken bewertet und warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden. Diese Dokumentation ist Voraussetzung für die CE-Kennzeichnung gemäß der Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG. Die CE-Kennzeichnung selbst ist kein Qualitätssiegel, sondern eine verbindliche Erklärung des Herstellers, dass ein Produkt allen geltenden Sicherheitsanforderungen entspricht und diese auch belegt werden können.

Sammelobjekt oder Spielzeug? Entscheidend ist die Nutzung

Vielleicht sind dir schon einmal Holzfiguren begegnet, die mit einem Hinweis als Sammelobjekt und ohne CE-Zeichen versehen sind. Das funktioniert nicht, denn maßgeblich ist nicht die Bezeichnung, sondern die tatsächliche Eignung und vorhersehbare Nutzung eines Produkts. Alles, was sich nach Gestaltung, Funktion oder Anmutung zum Spielen eignet oder von Kindern vernünftigerweise als Spielzeug genutzt wird, fällt auch rechtlich darunter. Ein Hinweis wie „kein Spielzeug“ ändert daran nichts, wenn das Produkt eindeutig zum Spielen einlädt. Auch hier liegt die Verantwortung klar beim Hersteller.

Neue EU-Spielzeugverordnung: Was sich ab 2026 und 2030 ändert

Besonders deutlich wird die Bedeutung dieses sorgfältigen Vorgehens mit Blick auf die neue EU-Spielzeugverordnung (EU) 2025/2509. Sie wurde am 12. Dezember 2025 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und ist Anfang Januar 2026 formal in Kraft getreten. Für Spielzeug verbindlich anzuwenden ist sie jedoch erst ab dem 1. August 2030. Dazwischen liegt eine mehrjährige Übergangsphase, in der Hersteller ihre Prozesse, Materialien und Dokumentationen anpassen müssen. Dazu gehören strengere Stoffverbote, etwa für PFAS und hormonaktiv wirkende Substanzen, sowie neue Transparenzanforderungen. Der digitale Produktpass soll schrittweise eingeführt werden und spätestens ab 2029 eine zentrale Rolle spielen.

Für dich als Elternteil ist das eine gute Nachricht, denn sichere und bewusste Kaufentscheidungen werden dadurch einfacher. Für Hersteller bedeutet es jedoch deutlich mehr Aufwand und Planungsbedarf.

Warum ich mich für Wir machen Spielzeug e.V. entschieden habe

Genau aus diesem Grund bin ich Mitglied bei Wir machen Spielzeug e.V.. Ich wollte diese Verantwortung nicht allein tragen, sondern Teil einer Gemeinschaft sein, die Normen verständlich einordnet, Erfahrungen teilt und kleinen Herstellern eine Stimme gibt. Der Austausch mit anderen Manufakturen, der Zugang zu aktuellem Normenwissen und die gemeinsame Interessenvertretung sind für mich keine Kür, sondern Grundlage verantwortungsvoller Arbeit.

Was das für dich bedeutet

Für dich bleibt dieser Aufwand meist unsichtbar, und das ist auch gut so. Was du spüren sollst, ist Vertrauen. Vertrauen darauf, dass Materialien nicht zufällig ausgewählt wurden, dass neue Produkte nicht ungetestet auf den Markt kommen und dass hinter jedem Spielzeug ein durchdachter, verantwortungsvoller Prozess steht.

„Ich stelle Spielzeug nicht nur für Kinder her, sondern für das Vertrauen von Eltern. Und dieses Vertrauen verdient höchste Sorgfalt.“

Allgäuer Holztiere ist bewusst klein, künstlerisch und handwerklich geprägt und klar in seinen Werten. Die Mitgliedschaft bei Wir machen Spielzeug e.V. ist Ausdruck dieser Haltung. Sie steht für Wissen statt Vermutungen, für Akribie statt Abkürzungen und für Sicherheit, die nicht erst dann wichtig wird, wenn etwas passiert. Am Ende geht es genau darum: Spielzeug zu schaffen, mit dem Kinder unbeschwert spielen können. Und du als Elternteil dabei ein gutes Gefühl hast.

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